 Montag, 22. Juni, Anke Beiing besichtigt Vancouver auf Japanisch, betrachtet die Sache mit dem Tempolimit und lernt Landessportarten kennen, die passend zum Durchschnittsamerikaner sind. 24 Stunden Stechschritttourismus in Vancouver - das war mein Wochenendprogramm. Nachdem Nadine und ich unsere Recherchen am Freitag glücklich beendet hatten, haben wir uns von Samstag auf Sonntag einen Kurztrip nach Norden gegönnt. Wo wir doch schon mal in der Gegend waren. Ich fand außerdem, dass sich so ein kanadischer Stempel in meinem Reisepass ganz hervorragend machen wird. Vancouver ist wirklich eine Stadt, die sich lohnt. Allerdings hatten wir ja nur 24 Stunden: Also erstmal rauf auf den Vancouver Lookout, den zweithöchsten Punkt der Stadt. Überblick verschaffen und Fotos machen. Danach Gastown, der pseudo-historische Stadtbezirk direkt am Wasser, der die Touristen in Scharen anlockt. Sein Wahrzeichen ist eine scheinbar sehr alte Dampfuhr, die in regelmäßigen Abständen kleine Wölkchen ausstößt. Tatsächlich ist das gute Stück kaum älter als 30 und wird von einem versteckten Elektromotor betrieben. Egal, den Inhaber des benachbarten Cafes freut es sicher. Weiter ging's im Zickzack durch die Stadt, essen in Yaletown, dann noch schnell in einen der zahlreichen Clubs und ab ins Bett. Am nächsten Morgen noch schnell in den Stanley-Park und ins Aquarium, wo erst vor ein paar Tagen ein Beluga-Baby das Licht seines Beckens erblickte. Puh, danach wusste ich, wie sich ein Japanischer Tourist fühlt, der gerade Europa in zehn Tagen bereist. Auf der Rückfahrt in unserem bereits lieb gewonnen Riesen-Dodge gleich die nächste Herausforderung: das Tempolimit. Endloser, schnurgerader Highway, kaum was los und in Kanada meist nur 90 Kilometer erlaubt. Eine echte Geduldsprobe. Ein paar Mal wurde da auch mir der Gasfuß ein bisschen schwer. Hat zum Glück aber keiner gemerkt. Anders erging es "Speedy" Poliwoda. Na ja, nach fünf Tagen schmerzlicher Trennung, die er überhaupt nur Dank einer intensiven Golftherapie verwunden hat, hatte der Arme einfach Sehnsucht nach seinen Schäfchen. Leider zeigten sich die kanadischen Polizisten wenig verständnisvoll. Das beschauliche Dasein in unserem Basishotel ist seit heute Morgen übrigens Geschichte. Offenbar rüstet sich die Sportwelt in Everett für das Highschool-Allstar-Game des Staates Washington im American Football. Daher teilen wir unser Heim und vor allem unser Frühstücksbüfett (letzteres macht mir mehr Sorgen) jetzt mit gefühlten 100 Halbwüchsigen im Preisboxerformat. Vier von denen im Fahrstuhl und das Ding ist voll. Wie sagte Peter so schön: Statt sich eines landesweiten Gewichtsproblems anzunehmen, kann man seine Nationalsportarten ja auch einfach auf den Durchschnittsbürger zuschneiden. Viele Grüsse aus Everett, Anke Beiing
Vancouver Aquarium: Walmutter Aurora und ihr noch namenloses Baby, das am 7. Juni geboren wurde. Die Belugas haben eine eigene Webcam, die unter www.vanaqua.org zu erreichen ist.  |